An einem lauen Abend glitt Kasimir mit sanftem Flügelschlag durch das geöffnete Fenster ins Wohnzimmer der Imkerin. Während sie durch die Sender zappte,
blieb sie bei einem Bericht, der seine Fühler vor Staunen zittern ließ, hängen: Es war ein Beitrag über die erstaunliche Kraft von Bienen im Kampf gegen afrikanische Elefanten!
Kaum war der Beitrag zu Ende, gab es für Kasimir kein Halten mehr. Im Eilflug sauste er zurück zum Bienenstock und steuerte direkt zu Wallerie an und erzählte aufgeregt, was er gerade erfahren hatte. Wallerie, die verlässliche Nachrichtenzentrale des Bienenvolks sperrte erstaunt die Augen auf, flog ohne Umwege zu Queeny, und innerhalb weniger Minuten brummte der gesamte Stock vor Aufregung. Queeny nickte majestätisch und bat um Ruhe – und dann trat Kasimir vor die versammelte Bienenschaft, um allen zu berichten, was er gehört hatte:
Ich muss euch etwas erzählen – und nein, es geht heute weder um die nächste Rapsblüte noch um den Windstoß von vorhin. Es geht um eine Entdeckung, die unser gesamtes Bienen-Selbstbewusstsein auf ein völlig neues Level heben wird.
Wir haben uns ja alle schon mal gefragt, warum die Menschen hierzulande manchmal so schreckhaft reagieren, wenn wir mit voller Montur an ihrer Kaffeetafel vorbeibrummen. Übertreibung pur, richtig? Aber haltet euch fest: Weiter unten im Süden – im tiefsten Afrika – zittern nicht etwa Menschen vor unseren Verwandten.
Dort zittern Elefanten!
Ja, ihr habt richtig gehört. Diese gigantischen Kolosse mit Ohren wie Scheunentoren, Stoßzähnen aus massivem Elfenbein und Haut wie Panzerleder. Die Giganten der Savanne! Und wisst ihr, vor wem die richtig Schiss haben? Vor ein paar Mädels aus unserer Verwandtschaft!
Ein kleiner Trupp unserer afrikanischen Schwestern, lebt in Bienenstöcke, die wie ein Zaun aus Holzkisten und Attrappen, fein säuberlich mit Drähten verbunden, um die Grundstücke der Bauern aufgestellt sind. Sobald so ein tonnenschwerer Riese nachts versucht, ein Feld der Bauern zu plündern und gegen den Draht rumpelt – BAM! Schwarmalarm! Das Summen reicht schon, und die Grauriesen drehen auf der Stelle um und ergreifen die Flucht. Ein Stich in den Rüssel ist nämlich selbst für den stärksten Elefanten kein Zuckerschlecken.
Das Beste daran? Niemand kommt zu Schaden. Die Elefanten bleiben heil, die Ernte der Bauern steht sicher, und als Belohnung gibt es am Ende sogar noch Honig für die Menschen vor Ort. Man nennt ihn dort drüben ganz stolz „Elephant-Friendly Honey“.
Ich sag’s euch wie es ist: Wenn das nächste Mal jemand meint, wir Bienen seien nur für die Kirschblüte und ein bisschen Brotaufstrich gut, dann erinnert ihn höflich daran, wer auf diesem Planeten die echten Schwergewichte im Zaum hält.

